Wem oder was gilt mein Gehorsam?

Gehorsam bei Kindern und Erwachsenen

Foto: Adobe Stock / avsagirl

Auszüge aus dem Buch:
Die vergessene Sprache der Kinder

»Was muss ich tun, dass meine Kinder auf mich hören?«, fragte [in unserer Kinderbetreuungsgruppe] ein Elternteil Madame Jeanne de Salzmann.

Wir spitzten die Oh­ren; wir alle hatten unsere Geschichten und Fragen, was dieses Thema betraf. Wenn unsere Rolle darin bestand, den ureigenen Wunsch der Kinder zu erwecken, sodass sie aus eigener Initiative heraus handeln konnten statt aufgrund von Konditionierung oder Zwang – was sollten wir dann tun, wenn diese Art von Initiative einfach nicht zum Vorschein kommen wollte?

Was ist zu tun, wenn der Mittagsabwasch im Spülbecken liegen bleibt, die verkrusteten Töpfe und Pfannen sich stapeln und kein Kind sich blicken lässt; wenn die Werkzeuge in der ganzen Werk­statt verstreut liegen, es bereits Zeit für den Abschied ist und die Eltern mit laufendem Motor vor der Tür warten, um ihre Kinder wieder mit nach Hause zu nehmen? Wer sollte den Müll, den die Kinder hinterlassen hatten, einsammeln und zu den Abfalltonnen bringen?

War es richtig, dass das Erwachsenenteam hinter den Kindern herräumte? Wie konnten wir sie zu Disziplin ermutigen?

»Versuchen Sie niemals, etwas mit Zwang durchzusetzen!«

»Versuchen Sie niemals, etwas mit Zwang durchzusetzen!«

Dem Kind helfen, zu verstehen

 »Versuchen Sie niemals, etwas mit Zwang durchzusetzen«, sagte Jeanne de Salzmann in sanftem Ton. »Sie müssen mit dem Kind so lange sprechen, bis es begreift, warum es tun sollte, worum Sie es bitten.«

Jemand aus unserer Gruppe wandte ein, dass Reden nichts bringen würde. Doch Madame de Salzmann blieb dabei: »Sie müssen Ihre Gründe darlegen. Es ist Ihre Aufgabe, dem Kind zu helfen zu verstehen. Und das funktioniert niemals über: ›Weil ich es sage.‹«

Ein Vater berichtete: »Die Beziehungen, die ich zu meinen Kindern habe, scheinen durch ein starkes Pflichtgefühl belastet zu sein. Ich ›sollte‹ so und so sein, wenn ich mit ihnen zusammen bin, und auch sie ›sollten‹ so sein und so sein und nicht anders. Das lässt keinen Raum in mir für etwas anderes, für irgendetwas, das lebendiger ist.«

Jim Nott stimmte zu: »Von wo in mir kommt das her? Ent­springt es nicht einer inneren Anspannung darüber, dass irgend­etwas anderes fehlt? Und weil ich diesen Mangel spüre, ergreife ich die letzte Möglichkeit und befehle? Irgendetwas verschließt sich in mir und dabei verliere ich den Blick für die Kinder. Ich habe Angst vor dieser Situation; ich will auf keinen Fall so sein, und alles, was mir übrig bleibt, ist, noch angespannter zu werden. Diese Pflicht­besessenheit färbt praktisch alles, weil ich dann aus einem Bild heraus handle, das ich von mir und den Kindern habe, und ich will, dass die Kinder diesem Bild entsprechen.«

G.I. Gurdjieff hatte gesagt:

»Es ist besser, den Kindern nicht allzu viele Dinge zu verbieten, weil diese Verbote durchs eine Ohr hinein und durchs andere Ohr gleich wieder hinausgehen. Vor allem anderen müssen Sie in ihnen jenen Impuls zum Vorschein bringen, der ihnen dabei hilft, auf diese oder jene Art zu handeln.«

Von Zeit zu Zeit halfen einige der Teenager bei der Betreuung der kleinen Kinder. Ein Mädchen erinnert sich:

»Ich hatte es mit einem kleinen zornigen, schluchzenden, kämpfenden, schreienden und verdreckten Jungen zu tun, der sich weigerte, sich zu waschen, obwohl es fast an der Zeit war, nach Hause zu gehen. Wie sollte ich ihn nur ins Ba­de­zimmer bekommen, ohne handgreiflich zu werden und ihn eigenhändig zum Waschbecken zu schleppen?

Ich sagte leise und wie im Geheimen zu ihm: ›Du weißt ja, dass Was­ser­­hähne weinen können. Es ist wirklich wahr. Sie wollen gebraucht werden und wenn du sie nicht aufdrehst, weinen sie, nachdem wir verschwunden sind.‹

Er hörte auf zu schreien und schaute mich an. Dann drehte er den Wasserhahn an und ließ das Wasser laufen.

Ich sagte: ›Auch die Seife hat Gefühle, und wenn du sie nicht gebrauchst, wird sie traurig sein.‹

Er nahm die Seife und wusch sich damit Hände und Gesicht. Er wurde nicht gezwungen. Er hatte einfach die Chance bekommen, jemandem einen Gefallen zu tun.«

Häufig zwingen wir die Kinder unter dem Vorwand, dass es »zu ihrem eigenen Wohl« sei, auf unsere Anweisungen zu hören – das ist eine Form von Schikane. Doch wenn im Erwachsenen das Ver­langen nach Kontrolle aufgrund eines neuen Verständnisses abgeschwächt und gemildert wird, kann ein Kind lernen, seine eigenen aggressiven Impulse zu beherrschen.

Gurdjieff, de Salzmann

Jeanne de Salzmann (links außen) mit George I. Gurdjieff an Bord der Queen Mary 1949. Foto © The Collection of Gert-Jan Blom

Folgendes Gespräch fand im Jahr 1943 in Gurdjieffs Pariser Woh­nung statt:

»Ich würde Sie gerne um einen Rat bitten«, sagte Frau D. »Mein kleiner Sohn versucht mehr und mehr, sich durchzusetzen. Er sagt zu allem und jedem Nein und hat durchwegs eine ablehnende Haltung. Damit er nachgibt, scheine ich lediglich zwei Möglichkeiten zu haben. Ich kann ewig auf ihn einreden und mit ihm hin und her argumentieren, aber das ist nicht immer machbar. Oder ich lenke ihn ab, gebe ihm ein Spielzeug oder etwas in der Art. Letzteres ist natürlich der einfachere Weg, aber er scheint mir nicht richtig zu sein.«

Gurdjieff: »Die zweite Lösung ist schlecht, die erste ist gut. Sprechen Sie mit ihm, indem Sie Analogien verwenden.«

Frau D.: »Das ist sehr schwierig.«

Gurdjieff: »Aber für ihn wird es dadurch einfacher. Für Sie mag es komplizierter sein, aber für ein Kind ist eine gute Erklärung sehr einfach zu verstehen. Doch Ihnen fällt es aufgrund Ihrer diesbezüglich mangelnden Ausbildung schwer, dem Kind die richtige Erklärung zu geben. Sie wurden nicht dazu erzogen, eine Lehrerin zu sein; Ihnen wurde beigebracht, wie Sie Socken zu stricken haben. Doch hier müssen Sie eine Lehrerin sein… Ich dagegen«, lachte er, »habe Löcher in meinen Socken!«

Manchmal akzeptierten die Kinder unsere Autorität, manchmal opponierten sie dagegen. Wovon war dies abhängig? Wofür trugen wir die Verantwortung? Wem gegenüber und für was waren die Kinder verantwortlich? Und was, wenn sie gar keine Autorität anerkennen wollten, insbesondere die älteren, deren Verantwortungsbereiche größer waren?

Unsere Theorien über das richtige Benehmen fielen im An­gesicht der tatsächlichen Ereignisse häufig in sich zusammen. Als ich fragte: »Was muss ich anstellen, um wirklich an den Prinzipien festhalten zu können?«, antwortete Peggy, dass Gurdjieff gesagt habe, das Praktische stünde über dem Philosophischen.

Diese Antwort irritierte mich, hatte ich mich doch bisher bemüht, Ideale in die Praxis umzusetzen. Nun hieß es also im Gegen­teil: Erkenne, was genau in dieser konkreten Situation vonnöten ist, und denke nicht darüber nach, wie die Situation sein sollte.

»Wenn doch nur…« musste aus den Gedanken unseres Kinderbetreuungsteams verbannt werden. Es ging nicht um die Frage, wie man vorgehen würde, »wenn doch nur« mehr Zeit zur Verfügung stünde, »wenn doch nur« mehr Helfer da wären, »wenn doch nur« ein paar Dinge anders wären. Vielmehr galt es zu wissen, wie mit Situationen umzugehen war, so wie sie nun mal waren.

Aber genau dies stellte für mich die größte Herausforderung dar, ganz besonders, was mein eigenes Kind anging. […]

 

So tun als ob

Als meine Tochter um die vierzehn Jahre alt war, konnte ich beobachten, dass sie sich mir widersetzte und mein Urteil infrage stellte. Das verunsicherte und verletzte mich ein wenig, da ich ihr immer einen großen Handlungsspielraum gewährt hatte, sie um ihre Mei­nung bat bei Fragen, die auch sie betrafen, und ihre Anschau­un­gen, Ideen und Entscheidungen respektierte. Ich dachte, dass wir in unserer Beziehung gut aufeinander abgestimmt seien.

Doch wo waren jetzt, da sie sich zum Teenager entwickelt hatte, diese Nähe, diese Freundschaft, das Vertrauen geblieben? Waren all meine Bemühungen um sie umsonst gewesen? Alles schien in einer Flut jugendlicher Opposition und Streitigkeiten verloren gegangen zu sein.

»Behandeln Sie Ihre Tochter so, als ob sie Ihre beste Freundin wäre.«

»Behandeln Sie Ihre Tochter so, als ob sie Ihre beste Freundin wäre.«

Irgendwann trug ich diese Frage in unser Team, das sein Mit­gefühl mit mir bekundete. Dann sagte Madame de Salzmann: »Behandeln Sie Ihre Tochter so, als ob sie Ihre beste Freundin wäre. Sagen Sie nichts zu ihr, was Sie nicht auch Ihrer besten Freundin sagen würden.«

Das war alles: als ob.

Sie hatte nicht etwa vorgeschlagen, ich solle mich verstellen oder irgendjemandem irgendetwas vormachen, sondern mir geraten, so zu tun und so zu handeln, als ob der erwünschte Zustand bereits Realität wäre. In einer schwierigen Situation kann ich handeln, als ob alles normal wäre, und diese Haltung lenkt dann das Gesche­hen.

Unsere Einstellung, unsere Körperhaltung und der Ton unserer Stimme beeinflussen das Ergebnis. Entscheide dich, bewusst so zu handeln, dass es deinem Ziel dient – das ist die Bedeutung hinter diesem Als ob.

Ein Vater fragte: »Sollten Eltern die Kumpel ihrer Kinder sein?«

Ganz gewiss sollten sie sich miteinander austauschen, doch kann die Beziehung nicht die von zwei Gleichgestellten sein. Kinder brauchen von ihren Eltern etwas anderes als von ihren Kameraden. Bis das Kind gelernt hat, etwas alleine zu tun, sollten die Eltern sich darum bemühen, an seinen Arbeiten und Aktivitäten freundschaftlich teilzunehmen, da solche gemeinsamen Anstrengungen eine besondere Bindung schaffen.

Madame de Salzmann hatte nicht von bewusstem Schauspielern gesprochen, einem Konzept, das ich nicht hätte nachvollziehen können. Aber als ob war einfach und einleuchtend genug, um es ausprobieren zu können. Es ging ihr nicht um Disziplin, sie hatte uns zu einer neuartigen Anstrengung aufgefordert.

Ich begann, mir selbst zuzuhören, wenn ich mit meiner Tochter sprach. War mein Ton zu barsch, zu rechthaberisch oder autoritär? Würde ich zu meiner besten Freundin auf diese Art sprechen? Meine Stimme war anders, kollegialer, wenn ich mit meinen Freunden sprach.

Also strengte ich mich an, mit ihr wie mit einer Freundin zu reden. Dies erwies sich als schwieriger als gedacht; die Gewohn­heit, ihr etwas vorzuschreiben, stammte aus meiner eigenen Kind­heit und war tief in mir verwurzelt. Ich entdeckte meine Unter­welt, die von Misstrauen und Angst geprägt war. Sobald meine Aufmerksamkeit nachließ, fiel ich sofort in das gewohnte Verhal­ten zurück, das mich schimpfen, tadeln und meiner Tochter die Schuld für die Ärgernisse des Lebens in die Schuhe schieben ließ. Szenen ungerechtfertigter Vorwürfe hallten schmerzvoll in mir wider.

Irgendwann war ich fähig zu sagen: »Es ging gar nicht um irgendetwas, das du getan hast, es war nicht dein Fehler, dass ich geschimpft habe; ich habe meine Launen einfach nicht im Griff.« Aus dieser hart erarbeiteten Aufrichtigkeit entsprang etwas Neues. Mit dieser Wahrheit ging eine Aussöhnung zwischen uns beiden einher. Satt dass ich mir den Vorwurf einhandelte, den ich erwartet hatte, wurde mir sogleich verziehen! Kinder vergeben schnell, wenn wir ehrlich mit ihnen sind.

Der Lackmustest, den uns Madame de Salzmann gegeben hatte – Würde ich dies zu meiner besten Freundin sagen? –, half mir, zwischen Ausflüchten und der Wirklichkeit zu unterscheiden, und ließ die unvermeidlichen Reibungen zwischen meiner Tochter und mir harmonischer verlaufen.

Während ich dies übte, wuchs das Vertrauen meiner Tochter. Wie auch immer sich meine Schwächen zeigten, sie konnte sich darauf verlassen, dass ich ehrlich sein wollte, und sie konnte mich lieben. Ich hörte auf, sie für meinen Ärger verantwortlich zu machen, und akzeptierte, dass die Ursache für meinen Groll in mir selbst zu Wnden war. Diese Bemühung, aufrichtig zu sein, entschärf­te nach und nach die bissigen Auswirkungen meiner Ausbrüche und brachte die Vergangenheit in Ordnung.

Wenn ich in ihre Augen schaute, fragte ich mich manchmal, wer hier eigentlich wem half. Mein Wunsch, dass es ihr gut gehen möge, spornte mich an. Und ihre bereitwillige Akzeptanz unterstützte mich darin, dass ich weiter daran arbeitete. Dies waren die Grenzen durchbrechenden, die überweltlichen Augenblicke.

Madame de Salzmanns Vorschlag hatte zu einem unerwarteten Ergebnis geführt. Meine Tochter und ich wurden tatsächlich beste Freundinnen.

Als ob kann überall und zu jeder Zeit ausprobiert werden. Es ist keine Lüge. Vielmehr lässt sich dadurch das für die Zukunft Er­hoffte in etwas Greifbares im Hier und Jetzt verwandeln. Wäh­rend man das Als ob erprobt, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man etwas spielt, bis aufgrund einer unbekannten Gesetz­mäßigkeit das Als ob wirklich wird.

 

Wem oder was gehorchen wir?

An einem Morgen war es unsere Aufgabe, die Frage zu beantworten: Wem oder was gilt mein Gehorsam? Jim sagte, dass wir immer irgendjemandem oder irgendetwas in uns gehorchen und dass wir heute herausfinden sollten, wer oder was das ist.

Aus dem Arbeitsbericht:

Robert war unangenehm überrascht, dass es keine Wasch­maschine gab und er seine Wäsche mit der Hand waschen musste. Das gefiel ihm zwar überhaupt nicht, er tat es aber trotzdem. Sandy, die mit Bohnern beschäftigt und sehr müde war, zerriss versehentlich ihre Hose und mochte diese Hausarbeit auch nicht, doch sie übernahm sie trotzdem. Jim beobachtete, wie interessant es ist, dass trotz all der Dinge, die uns zum Abbrechen bringen wollen, wir dennoch durchhalten. Das bedeutet: Ich habe eine innere Stimme, die mächtig genug ist, mir Befehle zu erteilen. Was wir tun, ist, uns mit dieser Stimme zu verbinden.

»Wenn ein Kind rebelliert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass es nach Autorität in sich selbst sucht und diese nicht findet.«

»Wenn ein Kind rebelliert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass es nach Autorität in sich selbst sucht und diese nicht findet.«

Wenn ein Kind rebelliert, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass es nach Autorität in sich selbst sucht und diese nicht findet. Kinder wollen Leitung. Kinder brauchen jene Wahrheit, die wir zunächst einmal in unserer eigenen Lebenserfahrung finden müssen.

Wenn Kinder sich widersetzten, war dies teilweise darauf zurückzuführen, dass wir Erwachsenen die falsche Sprache wählten. Was beherrschte sie in diesem Moment? Der Verstand, der Körper und die Gefühle haben verschiedene Arten zu kommunizieren. In­stinktive Handlungen erfordern instinktive Anweisungen, keine Moralpredigten. Wenn ein Kind nicht tun will, worum es gebeten wird, funktioniert ein imperatives »Schau mal« besser als ein langer Wortschwall.

Folgsamkeit erfordert Unterscheidungsvermögen. Wir wollen Bereitwilligkeit und keinen blinden Gehorsam. Blindes Gehor­chen ist eher ein Zeichen von Fanatismus als von Entwicklung individueller Eigenschaften. Wenn ich Folgsamkeit verlange, wer ist es dann, die fragt, und zu welchem Zweck? Antwortet das Kind oder reagiert es?

Wem oder was in mir kann ich gehorchen, und wem oder was in mir kann ein Kind gehorchen? Rollenbilder sind wesentlich, um fähig zu werden, ein Verständnis richtigen Gehorsams zu vermitteln. Das Kind sollte eher der Stellung von Vater und Mutter gehorchen als den Personen als solchen. Wir wollen das Kind dazu bringen, dass es seiner eigenen Stellung gehorcht. Und zur gleichen Zeit muss ich eine Anstrengung unternehmen, meine eigene richtige Rolle zu finden, um dem Kind zu helfen, seine zu finden.

Als Vorbild zu fungieren, ist enorm wichtig, beispielsweise wenn es darum geht, mit welcher Haltung ich älteren Menschen begegne. Wir bitten eher um Gehorsam gegenüber dieser Bezie­hung als um den Gehorsam gegenüber dieser bestimmten Person. Das Kind wird dann darauf achten, diese Beziehung gebührend zu behandeln, und wird ihr gegenüber gehorsam sein.

Aufseiten des Kindes herrscht so lange Vertrauen, bis der Er­wachsene dieses bricht. Und sogar, wenn dies geschehen ist, vertraut das Kind viel länger, als es eigentlich Grund dazu hätte. Es ist etwas Essenzielles im Wesen des Kindes, der »Mutter« und dem »Vater« zu vertrauen. Das Kind will Autorität, und wenn es diese erhält, antwortet es mit Dankbarkeit und Freude.

Das Schlimmste für ein Kind ist es, nicht mit seiner eigenen Stellung verbunden zu sein. Verhält sich ein Kind unbotmäßig, bedeutet dies: »Ich werfe mich selbst aus etwas hinaus.« Das Gefühl, in etwas Größeres integriert zu sein, ist für das Kind extrem wichtig.

Auf diese Bedürfnisse der Kinder wollten wir also antworten, aber vorher galt es, uns selbst daran zu erinnern, dass »ich existiere«, dass »ich bin«.