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Cynthia Bourgeault

Mystische Seelenvollendung: Im Tod tritt hervor, wer wir wirklich sind

Paar am verschneiten Strand
Quelle: Pexels / Nikita Belokhonov

In ihrem eindruchsvollen Buch Stärker als der Tod ist die Liebe schildert die Theologin und anglikanische Priesterin Cynthia Bourgeault nicht nur ihre außergewöhnliche Liebesbeziehung mit dem 1995 verstorbenen Trappistenmönch Raphael Robin, sie erforscht auch die theologischen Bausteine eines ganzheitlichen Verständnisses des Älterwerdens und Sterbens, und wie zwei Menschen durch intensive spirituelle Arbeit an sich selbst die Grundlagen für eine gemeinsame »vermögendere Seele« schaffen können, die den Tod zu überwinden vermag. Lesen Sie einen Auszug aus der soeben erschienenen deutschen Erstausgabe dieses großen Werks

Ausschnitte aus dem Buch Stärker als der Tod ist die Liebe von Cynthia Bourgeault

Cynthia Bourgeault: Stärker als der Tod ist die Liebe

er Gedanke der mystischen Liebe durchdringt selbstverständlich die ganze christliche Tradition, angefangen von der erlesenen Bildsprache im Hohelied bis zu den Metaphern der mystischen Vermählung: der Kirche als der »Braut Christi« und unserer spirituellen Einwilligung als dem »Hochzeitsgewand«.

Es existieren menschliche Paare als Vorbilder wie der heilige Franziskus [/] und Klara von Assisi [/] oder, was dies betrifft, auch Jesus und Maria Magdalena: Menschen, die unser Herz instinktiv als Paare betrachtet trotz aller Bemühungen, ihre Beziehung zu spiritualisieren oder wegzuerklären. Sie erinnern uns an die vollendende und befreiende Macht von Seelen, die in einer heiligen, in der Essenz erotischen Liebe zusammenarbeiten. Das Konzept ist uns jedoch unheimlich und wird in der Regel wie eine heiße Kartoffel schnell wieder fallengelassen.

Ausschnitte aus dem Buch Stärker als der Tod ist die Liebe von Cynthia Bourgeault

Cynthia Bourgeault: Stärker als der Tod ist die Liebe

Ich hingegen bin davon überzeugt, dass sich in unserer Tradition die Bausteine finden lassen zur Untermauerung einer trag­fähigen Theologie der mystischen Seelenvollendung. Die heiße Kartoffel muss nicht zwangsläufig wieder fallengelassen werden; sie findet in einem erleuchteten christlichen Selbstverständnis nicht nur Platz, sondern bietet auch wichtige Erkenntnisse, die unsere christliche Vorstellung vom Tod und vom Leben nach dem Tod erweitern und abrunden. Denn die erotische Liebe ist ein heiliges Geschenk Gottes. Und manchmal ist diese Liebe so intensiv und kraftvoll und das Empfinden des Einsseins derart stark, dass sie auch über das Grab hinaus weiterwachsen und zwei Seelen zu jener Ganzheit ineinanderwirken, die zu werden ihnen schon immer bestimmt war.

Mystische Vollendung geschieht von Zeit zu Zeit in unserer menschlichen Erfahrung, und wenn es dazu kommt, bezeugt sie jene zwei tiefgründigen Einsichten im Herzen des christlichen Glaubens, nämlich dass die Liebe stärker ist als der Tod und dass sie die fundamentale Schöpfungskraft im Universum ist.

Diese Bausteine stammen mehrheitlich aus der christlichen »inneren« Tradition: aus dem Vierten Weg nach G.I. Gurdjieff und aus der Linie der christlichen Hermetik, die sich von Jakob Böhme im siebzehnten Jahrhundert über Valentin Tomberg [/] bis in unsere Tage erstreckt. Da viele dieser Namen einer Leserschaft, die sich im Mainstream der christlichen Tradition zu Hause fühlt, unbekannt sein dürften, habe ich am Ende dieses Buches (Seite 187 ff) einige kurze biografische Bemerkungen angefügt. Bitte denken Sie daran, dass »innere« nicht »häretische« meint.[1] […] 

Der Tod stellt eine extreme Glaubwürdigkeitsschranke dar.

Unendlich viel lebendiger

»Ein Mensch ohne einen Körper ist unendlich viel lebendiger als ein Mensch mit einem Körper.« Dies waren die Worte meines Freundes Murat Yagan [/], als ich ihn in seiner spirituellen Gemeinschaft in British Columbia besuchte. Für Murat, achtzig Jahre alt, war es nichts Außergewöhnliches, sich mit dem spirituellen Reich auszutauschen. Er sprach mit einer absolut nüchternen Wahrhaftigkeit, die mich jedes Mal zutiefst staunen ließ.

Dennoch ist das, was Murat hier sagt, schwer zu glauben. Ich denke, dies liegt teilweise an der extremen Glaubwürdigkeitsschranke, die der Tod als solcher darstellt. Der Tod steht unvermeidlich am Ende eines allmählichen oder schnellen physischen Verfalls; er bedeutet das Schwinden von Energie, den Übergang in die physische Hinfälligkeit. Und dann ist da nur noch der Körper als solcher, unbewohnt und leblos, ein offensichtliches Zerrbild der Person, die er einmal war.

Als ich Rafe [Bruder Raphael Robin] bei der Totenwache sah, war da jenes unvermeidliche »Erschaudern«: Der, der mich nur wenige Tage zuvor noch so überaus lebendig aus seinen leuchtend blauen Augen angeschaut hatte, lag nun, grau und bewegungslos, eng eingesperrt in seine Totenmaske. Erst als ich ruhig genug geworden war, um seine Präsenz auf einer subtileren Ebene zu erfassen, war ich auch fähig, hinter die Maske zu gelangen, zu einem bemerkenswerten, dahinterliegenden Wiedersehen.

Und so verstand ich, dass Murats Worte, im Fall von Rafe, der Wahrheit entsprachen: »Ein Mensch ohne einen Körper ist unendlich viel lebendiger als ein Mensch mit einem Körper.« Und nicht nur das, sondern es ist seine Lebendigkeit, groß genug für uns beide, die mich auf meiner eigenen Suche anspornt und wachhält. […]

Weit ent­fernt davon, unsere Vernichtung zu bringen, ist dieser Augen­blick mehr als irgendein anderer derjenige der Bewusstwerdung und des Freiwerdens.

Im Augenblick des Todes…

Meine immer stärker werdende Ahnung wurde aus einer uner­warteten Ecke bestätigt. Eines Nachmittags war ich in Rafes Klause und sortierte seine Bücher, als dort aus dem Regal eine Ausgabe von Ladislaus Boros Mysterium mortis [/] hervorlugte. Ich zog es her­aus und erkannte einen lange vergessenen Freund. Zwanzig Jahre war es her, so erinnerte ich mich, dass ich dieses Buch förmlich verschlungen und ganze Abschnitte in mich aufgesaugt hatte, die nun, während ich durch die Seiten blätterte, wieder mit aller Macht zurückkamen – bis zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht gewusst, dass auch Rafe dieses Buch gekannt hatte!

Ein weiteres dieser unaus­gesprochenen Bindeglieder zwischen uns. Es acht Monate nach seinem Tod erneut zu lesen, war nicht nur ein großes Déjà-vu, sondern auch eine wichtige Hilfe, indem es mein wachsendes Ver­ständ­nis untermauerte, dass der Tod Rafe in ein derart neues Spiel­feld der Freiheit und Ganzheit erlöst hatte, dass der alte Rafe, in gewisser Weise, faktisch immateriell geworden war.

In meinen früheren Darlegungen im Zusammenhang mit dem »zweiten Körper« [2] habe ich mich bereits ausführlich auf Boros bezogen, doch ich möchte nochmals auf dieses brillante und erstaun­licherweise weitgehend unbekannte Werk zurückkommen. Ich nehme an, dass es in einer wahren Weißglut der Erleuchtung geschrieben wurde, denn es trägt in der Gewagtheit seiner Sprünge und der eigentümlichen Autorität seiner Darstellung die typischen Merkmale eines Werks von offenbarter Wahrheit.

In seiner faszinierenden »Endentscheidungshypothese« über den Tod als »einem Zusammenlaufen auf den Augenblick einer endgültigen Entschei­dung hin« (die nicht von Gott getroffen wird, sondern von uns selbst) behauptet Boros, dass sich uns »im Tod die Möglichkeit zum ersten vollpersonalen Akt des Menschen eröffnet«.[3] Weit ent­fernt davon, unsere Vernichtung zu bringen, ist dieser Augen­blick mehr als irgendein anderer derjenige der Bewusstwerdung und des Freiwerdens.

Dieser Augenblick wird über eine lange Strecke vorbereitet. Mit der Alterung des Körpers nimmt unsere physische Vitalität unvermeidlich ab, doch während dieser Zeit nimmt unser inneres Leben laufend und proportional an Weite und Größe zu; und wir haben die Möglichkeit – falls wir, wie im letzten Kapitel gesehen, den Mut aufbringen, sie anzunehmen – zu lernen, uns selbst mit einer zunehmenden Unabhängigkeit von unserer physischen Körper­lich­keit zu konfigurieren.

In diesem Augenblick des Erwachens vollziehen wir unseren »ersten vollpersonalen Akt« – die Entscheidung, die Göttliche Liebe, die über und durch uns hindurchströmt, zu akzeptieren oder zurückzuweisen.

… wird die Seele zum ersten Mal für sich selbst sichtbar

Im Tod schließlich fällt der Körper in Gän­ze von uns ab, und in diesem Augenblick wird die Seele im vollkommenen »ontologischen Ausgeliefertsein« [4] – zum ersten Mal herausgelöst aus ihrer physikalischen Matrix – für sich selbst sichtbar. Es ist ein Augenblick plötzlichen gänzlichen Bewusst­werdens unserer selbst. »Was wir schon immer geahnt und geliebt haben«, so Boros, »vereinigt sich« in einem einzigen Augenblick vor uns, während wir uns selbst, der Welt und Christus vollkommen gegenwärtig sind.[5]

In nackter Essenz sind wir, wer wir sind, aber was wir sind, sind wir in vollem Umfang und selbstausdrückend. Und in diesem Augenblick des Erwachens, sagt Boros, vollziehen wir unseren »ersten vollpersonalen Akt« – die Entscheidung für oder gegen Gott, was tatsächlich nichts anderes ist als die Entscheidung, die Göttliche Liebe, die über und durch uns hindurchströmt, zu akzeptieren oder zurückzuweisen.

»Erkennst du denn nicht, wie unbeständig ich bin?«, hatte Rafe in jener brutal aufrichtigen Nacht in der Klause verärgert gesagt. Boros bringt Rafes qualvolle Selbstbetrachtung zu ihrer impliziten Schlussfolgerung, wenn er behauptet, dass das hauptsächliche Hindernis für das Erreichen der Einheit des Seins hier im Leben der Körper selbst sei – dieser »Tempel meiner selbst«, der immer nur eine einzelne Sache zur selben Zeit tun, erfahren und ausdrücken kann und der alles als eine Erweiterung seiner selbst und damit seines Eigeninteresses begreift.

»Die Existenz ist untrennbar von ihrer Verkörperung«;[6] genau darin liegt das Problem – vor allem dann, wenn wir versuchen, uns selbst vollständig in Liebe hinzugeben. Wie geschliffenes Glas erzeugt die Begrenztheit der Körperlichkeit die unentrinnbaren, mannigfaltigen Dimensionen unserer Selbstheit. Wir können jeweils nur eine Facette sein, ein Ausschnitt unseres Selbsts, ein Ausdruck. In uns lärmen verschiedene Persönlichkeiten, und während unsere innere Arbeit zu einem bestimmten Fortschritt beim Meistern des eigenen Haus­halts führen kann, erscheint dieses Kaleidoskop unserer Stimmun­gen, Posen und Selbstbilder, von denen jedes einzelne über eine eigene Durchsetzungskraft verfügt, als die Gesamtsumme dessen, was wir menschlich sind.

Gegen Ende flammten verschiedene Funken Rafes wie in einem erlöschenden Feuer auf und flackerten hell: der leidenschaftliche Geliebte, der strebsame Einsiedler, der kämpfende alte Mann… flackerten auf und erloschen. Und doch bleibt das essenzielle Selbst auf gewisse Weise immer verborgen – »mit Christus in Gott«, wie die Mönche zu sagen pflegen. Unsere planetarische Existenz scheint nicht die ganze Bandbreite der Bedingungen zu liefern, unter denen sich manifestiert und erschöpft, wer wir sind. Sie bricht nur kurz hervor in diesen flüch­tigen Augenblicken, wenn wir durchleuchtet werden… oder durchweint.

Was sich schließlich zeigt, ist unser kohärentes Ordnungsprinzip, weil unsere vollständige Authentizität darin enthalten ist: die Einheit unseres Seins.

Im Tod tritt hervor, wer wir wirklich sind

So scheint es, dass im Augenblick des Todes, wer wir sind – der Vollmond hinter der silbernen Sichel, die grundlegende Einheit unseres Seins, nach der wir uns gesehnt und von der wir irgendwie auch immer gewusst haben, dass sie da ist –, nun fähig wird, nach vorn zu treten und sich auszudrücken. Boros sagt: »Das Personale in seiner Fülle, der schlechthin innere Mensch, kann erst im Tode entspringen, wo die Energien des äußeren Menschen untergehen.« [7]

Was sich schließlich hinter diesen äußeren Energien zeigt, mag winzig erscheinen, vielleicht nur als ein Pünktchen. Doch es ist unser kohärentes Ordnungsprinzip, weil unsere vollständige Authentizität darin enthalten ist: die Einheit unseres Seins. Und es ist dieses Pünktchen, das im Tod nun hinübergeht – oder vollständig erglüht – und wie der Busch, der brennt, aber nicht verzehrt wird, die wesentliche Veranlagung unserer Seele trägt.

Auch Jakob Böhme, Sie mögen sich erinnern, beschreibt diesen Augenblick des Todes in den Begriffen von Feuer und Licht. Nachdem er anfänglich sagt: »Alsdann wircket und will Gott in ihm, und wohnet Gott in seinem gelassenen Willen, dadurch wird die Seele geheiligt, dass sie in Göttliche Ruhe kommt«, stellt er sich den Augenblick des Todes für solch eine Seele als reines weiß­glühendes Licht vor: »Wenn nun der Leib zerbricht, so ist die Seele mit Göttlicher Liebe durchdrungen, und mit Gottes Licht durchleuchtet, wie das Feuer ein Eisen durchglüet, davon es seine Fins­terniß verlieret.« [8] Der Tod wird zur Schablone für die Seele: Er ist der Augenblick, in dem die wahre Form der Seele im Licht der Gött­lichen Liebe ewiglich offenbart wird.

Wie auch immer diese Form aussehen mag – in Kapitel 14 werde ich mehr darüber sagen –, der Augenblick unseres Todes befreit uns schließlich zur ganzen Tiefe unserer menschlichen Liebe. Boros schreibt dazu:

Die erste Möglichkeit, die Liebe ganzheitlich zu vollziehen, ist der Moment des Todes. In ihm wird unser ganzes Dasein ausgeliefert. Das ontologische Ausgeliefertsein (Tod) gibt uns den Raum für eine entscheidungsmäßige Selbstauslieferung (Liebe).[9]

Nun, da es nichts mehr zurückzuhalten oder zu beschützen gilt, ist die Liebe, das Leben unserer Seele, frei, vollständig auszuströmen. Für mich war dies die außerordentliche Gnade unserer Begegnung in der Nacht von Rafes Totenwache. Zum ersten Mal war er vollständig und konsequent offen für die Kraft seiner eigenen Liebe. Und dies hat sich als vorrangiges Kennzeichen unseres neuen Zu­sammenseins fortgesetzt.

Ich kann nicht behaupten, dass ich dem gesamten Argumentations­strang von Boros folge. Seine Erklärung, der Moment des Todes sei die endgültige Entscheidung, nach der keine Verände­rung mehr möglich sei, ist offensichtlich mit meiner eigenen Erfahrung des auf Gegenseitigkeit beruhenden Wachstums über den Tod hinaus nicht kompatibel. Ich glaube, dies hat mit einer häufig gemachten theologischen Fehlannahme zu tun (nämlich, dass Wachstum eine Funktion der Zeit sei), worauf ich im anschließenden Kapitel zu sprechen kommen werde. Doch im großen Ganzen half mir sein Hinweis, dass der Tod ein heiliger Über­gang ist, der eine qualitative und eine quantitative Veränderung des Seins herbeiführt, enorm.

Der Durchgang durch den Tod selbst verleiht seltsamerweise das entscheidende letzte Element persönlicher Identität, das auf keinem anderen Weg erlangt werden kann.

Auf der anderen Seite wird die Personifizierung eine andere sein

Sogar für jene spirituellen Adeptin­nen und Adepten, die es geschafft haben, die Kunst des Sterbens vor dem Sterben zu meistern, bleibt der Tod das einzigartige Tor; auf der anderen Seite wird die Personifizierung eine andere sein. Es geht nicht bloß darum, dass der Körper von uns abfällt, wenn er nicht mehr benötigt wird, um die persönliche Identität aufrechtzuerhalten; der Durchgang durch den Tod selbst verleiht seltsamerweise das entscheidende letzte Element persönlicher Identität, das auf keinem anderen Weg erlangt werden kann. Ich glaube, dass Christi eigener Kreuzestod dies lehrt; es ist eine zentrale innere Weisheit des christlichen Weges.

Und so sind Rafe und ich an verschiedenen Orten, und ihm widerfuhr etwas eindeutig Heiliges, das mir noch immer bevorsteht. In den Augenblicken, in denen ich, von Selbstmitleid bewegt, ihn in seinem Körper zurückhaben möchte, tröstet mich dieser Gedan­ke auf seltsame Weise. Derjenige, der er jetzt ist, »unendlich lebendiger, als er es in seinem Körper war«, ist die Frucht dieses Hin­durchgehens durch den Tod, und ich kann aus tiefstem Herzen sagen: Ich wünsche es mir kein bisschen anders.

Was Rafe im Leben nicht zur Gänze zu tun vermochte, kann er jetzt vollkommen machen, und dies ist Teil des fortlaufenden Werdens zwischen uns und schenkt nun dieser Zeit ihre besondere Anmut und Frische. Und was mich angeht, so vertraue und hoffe auch ich auf jenen Augenblick meiner eigenen Passage, wenn ich, so wie Rafe, durch die silberne Sichel hineinfalle in die Fülle des Mondes.

© Cynthia Bourgeault / Chalice Verlag 2021
Deutsche Übersetzung © Helga Jacobsen & Robert Cathomas

Anmerkungen

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[1] Gnosis, der für dieses System innerer Lehren häufig verwendete Begriff, der vom altgriechischen γνῶσις (»Erkenntnis«, »Wissen«) stammt, ist klar zu unterscheiden vom Gnostizismus, den von den frühen Kirchenvätern verworfenen häretischen Lehren aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert.

[2] Viele Schulen der inneren Transformation behaupten explizit, dies [die Erschaffung des sogenannten »zweiten Körpers«] sei der wahre Sinn und Zweck des Menschen auf diesem Planeten, weil wir genau durch diesen Prozess, in dem wir uns den zweiten Körper aneignen, auch an der großen Zirkulation höherer Energien – Glaube, Hoffnung und Liebe – teilnehmen, die das bewusste Leben auf der Erde erhält. In der einen oder anderen Form ist dieses Erzeugen unserer dauerhaften, bewussten Ver­bindung zu dem [was auch als] »Hoffnungskörper« [beschrieben wird] das Ziel jeder inneren spirituellen Arbeit. In der christlichen Tradition wird diese Arbeit bezeichnet als »den zweiten Körper entwickeln«, »den Leib Christi annehmen« oder »das Hochzeitsgewand empfangen«.

[3] Ladislaus Boros: Mysterium mortis: Der Mensch in der letzten Entscheidung, Topos Taschenbücher 2017, Seite 9.

[4] Ebenda, Seite 110.

[5] Ebenda, Seite 204.

[6] Ebenda, Seite 67.

[7] Ebenda, Seiten 76–77.

[8] Jakob Böhme: Christosophie: oder der Weg zu Christo [1621], Amsterdam 1731, Seite 154.

[9] Boros: Mysterium mortis, Seite 110.